Die internationalen Absatzmärkte des Maschinen- und Anlagenbaus entwickeln sich weiterhin sehr unterschiedlich. Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen, halbjährlich durchgeführten VDMA Business Climate Survey unter Auslandstöchtern der Mitgliedsunternehmen in Brasilien, China, Indien und den USA. Indien bleibt sowohl bei der aktuellen Geschäftslage als auch beim Ausblick Spitzenreiter. Deutlich verbessert zeigt sich die Situation in den USA, verbunden mit ausgeprägt positiven Erwartungen. Die Firmen in China blicken trotz verhaltener Geschäftslage zuversichtlicher nach vorn, während Brasilien weiterhin unter Druck steht.
Indien: Zuversicht bringt auch mehr Beschäftigung
Indien bleibt der stärkste der vier untersuchten Märkte. 58 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage – im Vergleich zum ersten Halbjahr 2026 – als gut, lediglich 6 Prozent als schlecht. Auch der Ausblick ist klar positiv: 57 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten eine Verbesserung der Geschäftslage, während nur 2 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen. Die Zuversicht spiegelt sich auch in den Beschäftigungsplänen wider: 58 Prozent der Unternehmen wollen ihre Mitarbeiterzahl erhöhen, nur 4 Prozent planen einen Abbau. „Die jüngsten Ergebnisse unterstreichen das wachsende Vertrauen der VDMA-Mitgliedsunternehmen in Indien und ihr langfristiges Engagement in diesem Markt. Das verbesserte Geschäftsumfeld veranlasst viele Unternehmen, über die reine Marktbearbeitung hinauszugehen und gezielt in lokale Fertigung, Kapazitätserweiterungen sowie Forschung und Entwicklung zu investieren“, so Rajesh Nath, Managing Director VDMA India.
USA: Jedes zweite Unternehmen rechnet mit weiterer Verbesserung
Auch in den USA hat sich die Geschäftslage im Vergleich zum vorangegangenen Halbjahr deutlich verbessert. 41 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Situation als gut, 20 Prozent als schlecht. Gleichzeitig sind die Erwartungen ausgeprägt positiv: Für die kommenden sechs Monate rechnen 51 Prozent der Befragten mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage und nur 4 Prozent mit einer Verschlechterung. Entsprechend expansiv sind die Beschäftigungspläne: 54 Prozent der Unternehmen wollen ihre Mitarbeiterzahl erhöhen, lediglich 3 Prozent rechnen mit einem Rückgang. „Die Ergebnisse der Umfrage zeigen die positivste Einschätzung der allgemeinen Geschäftslage seit zwei Jahren, auch wenn Zölle und geopolitische Unsicherheiten weiterhin Anlass zur Sorge geben“, kommentiert Camille Rowe, National Field Coordinator VDMA America.
China: Mehrheit sieht die Lage als „zufriedenstellend“ an
In China bleibt die aktuelle Geschäftslage verhalten. 21 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Situation als gut, 25 Prozent als schlecht, während 55 Prozent sie als zufriedenstellend einschätzen. Der Blick nach vorn fällt günstiger aus: 35 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten eine Verbesserung der Geschäftslage, nur 11 Prozent eine Verschlechterung. Auch bei der Beschäftigung überwiegen die positiven Signale. 35 Prozent der Unternehmen planen zusätzliche Stellen, während 10 Prozent mit einem Rückgang der Mitarbeiterzahl rechnen. „Die Geschäftslage in China bleibt durchwachsen, doch die Erwartungen der Unternehmen machen Mut. Im Schnitt bleibt die Prognose von 10 Prozent Wachstum für dieses Jahr bestehen, auch wenn die Unterschiede zwischen den Fachzweigen unverändert groß sind“, so Claudia Barkowsky, Geschäftsführerin des VDMA Beijing Representative Office.
Brasilien: Vorsichtige Stabilisierung, aber keine Belebung
Brasilien weist im Ländervergleich die schwächste aktuelle Geschäftslage auf. 22 Prozent der Unternehmen berichten von einer guten, 30 Prozent von einer schlechten Situation. Für die kommenden sechs Monate erwarten 33 Prozent eine Verbesserung und 15 Prozent eine Verschlechterung. Eine ausgeprägte Belebung zeichnet sich damit bislang nicht ab. Auch bei der Beschäftigung bleiben die Unternehmen zurückhaltender: 21 Prozent wollen ihre Mitarbeiterzahl erhöhen, 17 Prozent planen einen Abbau. „Seit dem 1. Mai 2026 wird das EU-Mercosur-Abkommen vorläufig angewendet. Es stärkt die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Brasilien und Europa, gerade angesichts der Unsicherheiten im Handel mit den USA. Aber hohe Zinsen, Finanzierungsengpässe, die Konkurrenz aus China und die Unsicherheit im Wahljahr bremsen weiterhin die Investitionen. Für 2027 erwarten unsere Mitglieder wieder Wachstum“, sagt Fabiane Wahlbrink, Leiterin der VDMA-Repräsentanz in Brasilien.
Beschäftigungsaufbau stärkt lokale Präsenz
Besonders deutlich fällt der geplante Beschäftigungsaufbau in Indien und den USA aus. Mehr als jedes zweite befragte Unternehmen will dort seine Mitarbeiterzahl erhöhen. Auch in China überwiegen die Unternehmen mit Expansionsplänen deutlich. Damit setzen die Maschinen- und Anlagenbaufirmen weiter auf eine starke lokale Präsenz in wichtigen Auslandsmärkten. „Lokale Strukturen gewinnen an Bedeutung, um wettbewerbsfähige Kosten, ein gutes Verständnis der Märkte und kurze Reaktionszeiten sicherzustellen“, resümiert VDMA-Chefvolkswirt Dr. Johannes Gernandt.
Hintergrund
Die halbjährliche VDMA Business Climate Survey basiert auf einer standardisierten Befragung von Auslandsgesellschaften der VDMA-Mitgliedsunternehmen in Brasilien, China, Indien und den USA. Die aktuelle Erhebung fand vom 28. September bis 16. Oktober 2026 statt, rund 500 Unternehmen nahmen teil. Die Ergebnisse liefern wichtige Indikatoren für die internationale Marktbeobachtung im Maschinen- und Anlagenbau.
Kontakt:



