Eine Partnerschaft auf Augenhöhe

Es war im August 2008, da bestellte die NETZSCH-Gerätebau GmbH zum ersten Mal Frästeile von einem jungen und kleinen Lohnfertiger, der heutigen BAM GmbH. Diese Bestellung war der Beginn einer bis heute andauernden Partnerschaft, die auf Vertrauen in Punkto Qualität und Termintreue beruht.

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Der Aufnahmezylinder aus Aluminium im Rohzustand direkt nach dem Drehen. Sowohl auf der Ober- als auch der Unterseite befinden sich Gewinde für die Befestigung weiterer Komponenten. Als Sichtteil muss die Oberfläche einwandfrei sein, abschließend wird der Zylinder noch eloxiert. (Bildnachweis: BAM GmbH)

Die NETZSCH-Gerätebau GmbH (NGB) ist ein inhabergeführtes, international tätiges Technologieunternehmen in den Bereichen der thermoanalytischen Geräte, Geräte zur Bestimmung thermophysikalischer Eigenschaften sowie Brandprüfgeräte mit Hauptsitz im oberfränkischen Selb in Deutschland.

Dabei gehört die NGB zum Geschäftsbereich Analysieren & Prüfen – einem der drei Geschäftsbereiche der weltweit tätigen NETZSCH-Gruppe. In den drei Geschäftsbereichen Analysieren & Prüfen, Mahlen & Dispergieren sowie Pumpen & Systeme arbeiten mehr als 3.800 Mitarbeiter in 36 Ländern. Im besagten Jahr 2008 war die NETZSCH-Gerätebau GmbH auf der Suche nach einem neuen Partner im Bereich der Zerspanung – und mehr oder weniger durch Zufall ist man auf die heutige BAM GmbH gestoßen.

Damals, zum Zeitpunkt der ersten Bestellung, hieß die BAM noch „cnc-produkte.de GmbH“, hatte nicht einmal zehn Mitarbeiter und der heutige Geschäftsführer Marco Bauer war noch ein junger Student. Er hat die NETZSCH-Gerätebau GmbH als Kunde quasi mit übernommen, als er 2011 Inhaber und Geschäftsführer wurde. „Ich kann mich noch erinnern, NGB war damals unser erster richtiger Industriekunde und wir durften zunächst relativ einfache Zerspanungsteile fertigen“.

Über die Jahre hat sich die BAM vom reinen Zerspanungsbetrieb weiterentwickelt zu einem Full-Service-Systemlieferanten: Blechbearbeitung, Schweißen, 3D-Druck und die Montage von Baugruppen ergänzten den CNC-Maschinenpark. „Wir sind mit den steigenden Anforderungen von NETZSCH mitgewachsen. Wir brauchten mehr Personal und bessere Maschinen, um die hohen Ansprüche vor allem in Bezug auf Oberflächen erfüllen zu können“, so Marco Bauer.

Und auch die NETZSCH-Gerätebau GmbH profitierte von dieser Entwicklung: „Für uns war es damals wichtig, einen verlässlichen Partner für Zerspanungsteile zu haben. Das ist heute natürlich auch noch so, aber immer wichtiger wird es, alles aus einer Hand geliefert zu bekommen. Denn ein Systemlieferant spart für uns enorm Prozesskosten“, erklärt Andreas Friedel, Leiter Einkauf bei der NETZSCH-Gerätebau GmbH. So fertigt BAM für NETZSCH jetzt auch Teile aus Blech, aus dem 3D-Druck und montiert Baugruppen, wie zum Beispiel eine Tiegelpresse, ein Serienprodukt für das oberfränkische Technologieunternehmen.

Die Tiegelpresse dient dazu, sogenannte DSC-Tiegel aus Aluminium zu verpressen. Dabei wird ein Deckel mit einem Tiegel kaltverschweißt, damit dieser hermetisch verschlossen ist. Innerhalb des Tiegels können sich sowohl Festkörper, Flüssigkeiten als auch Pulver befinden, deren Eigenschaften bei unterschiedlichen Temperaturen mit einem dynamischen Differenzkalorimeter, abgekürzt auch DSC-Messgerät genannt, genau bestimmt werden. Solche Analysen sind für unterschiedliche Branchen unabdingbar, um die thermischen Eigenschaften von Materialien – zum Beispiel von Polymeren, Keramiken, Metallen, Lebensmitteln, Flüssigkeiten und Pharmazeutika – zu bestimmen.

An die Herstellung der Tiegelpressen werden dabei höchste Anforderungen in Qualität und Präzision gestellt: Zum einen müssen die später sichtbaren Oberflächen von einwandfreier Güte sein, zum anderen soll durch eine hohe Fertigungspräzision die makellose Funktion der Presse sichergestellt werden. Sie besteht aus mehreren Komponenten aus Aluminium und Edelstahl, die größtenteils im Maschinenpark von BAM gefertigt werden.

Ein zentraler Bestandteil ist der Aufnahmezylinder mit seinem Oberteil, der die verschiedenen Einsätze zum Verpressen unterschiedlicher Tiegel aufnimmt. Der Zylinder wird aus einer 65 mm starken 3.2315-Aluminiumstange gedreht. Er enthält Bohrungen und Gewinde, an denen später sowohl das Oberteil als auch die Grundplatte verschraubt wird. Alle sichtbaren Oberflächen werden später eloxiert und müssen optisch einwandfrei sein.

Insgesamt neun unterschiedliche Einzelteile der Tiegelpresse fertigt BAM selbst, weitere Kleinteile und Komponenten wie Federn, Schrauben oder Kunststoffteile werden zugekauft. Neben der Teilefertigung übernimmt die BAM GmbH auch den Zusammenbau in der firmeneigenen Baugruppenmontage.

Das Vorgehen ist dabei an definierte Vorgaben seitens der NETZSCH-Gerätebau GmbH gebunden: Zunächst werden einzelne Baugruppen vor- und anschließend zum fertigen Produkt endmontiert. Auch die richtige Schmierung und Fettung beweglicher Teile übernimmt der BAM-Monteur, genauso wie die Sicht- und Funktionsprüfung. Um die empfindlichen Oberflächen nicht zu beschädigen, wird das Tragen von Handschuhen während der Montage vorausgesetzt.

Die Tiegelpresse unseres Kunden aus Oberfranken ist nur ein Beispiel von vielen, bei denen die BAM GmbH ihren Full-Service-Gedanken auf höchstem Qualitätsniveau unter Beweis stellt. Und weil NETZSCH ein so wichtiger und langjähriger Kunde für die BAM ist, hat man beim Lohnfertiger einen Besprechungsraum nach dem Herkunftsort der NETZSCH-Gerätebau GmbH benannt: So finden viele Besprechungen und Kunden-Meetings bei BAM in „Selb“ statt.

Kontakt:

www.bam.group

www.netzsch.com